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Die Vorstandsmitglieder Sabine Sutter und Béa Bieber bei der Verteilaktion vor dem Grossen Rat

«Prävention schützt Leben»: Gleichstellung Aargau fordert mehr Prävention gegen häusliche Gewalt

(eing.) ««Gleichstellung Aargau»» reicht im Grossen Rat einen Vorstoss zur Prävention gegen häusliche Gewalt und ihre gesellschaftlichen Folgekosten ein.

Gleichzeitig macht der Verein vor einer Grossratssitzung mit einer kurzen Aktion auf das Thema aufmerksam – und lädt die Mitglieder des Grossen Rates ein, selbst Mitglied bei «Gleichstellung Aargau» zu werden. Denn Gleichstellung und der Einsatz gegen Gewalt brauchen eine breite politische Basis.

Häusliche Gewalt ist kein Randphänomen. Sie trifft Frauen und Männer, Kinder und ganze Familien. Und sie verursacht neben unermesslichem menschlichem Leid auch erhebliche gesellschaftliche und finanzielle Folgekosten. Genau hier setzt ein neuer Vorstoss an, der von Vertreterinnen und Vertretern von «Gleichstellung Aargau» im Grossen Rat eingereicht wird.

Die Zahlen zeigen den Handlungsbedarf deutlich: Im Kanton Aargau kam es 2025 zu 2624 Polizeieinsätzen wegen häuslicher Gewalt. Der eingereichte Vorstoss verweist zudem auf 583 Strafanzeigen, 415 Wegweisungen sowie 45 Kontakt- oder Annäherungsverbote. Die Zahl der Personen, die der Anlaufstelle gegen häusliche Gewalt gemeldet wurden, stieg von 1030 im Jahr 2010 auf 6721 im Jahr 2025.

«Prävention ist eine Investition – in Menschen und in unsere Gesellschaft»

Die Interpellation verlangt, dass der Regierungsrat aufzeigt, wie sich häusliche Gewalt im Aargau in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat, wie wirksam die bestehenden Präventionsmassnahmen sind und welche finanziellen Mittel für Prävention, Opferhilfe, Frauenhaus, Täterarbeit und weitere Angebote eingesetzt werden. Gleichzeitig soll untersucht werden, welche Folgekosten häusliche Gewalt bei Polizei, Justiz, Gesundheitsversorgung, KESB, Fremdplatzierungen, Sozialhilfe und weiteren staatlichen Leistungen verursacht.

«Gleichstellung Aargau» möchte damit eine Diskussion anstossen, die über einzelne Budgetpositionen hinausgeht. «Prävention kostet Geld. Aber nicht oder zu spät zu handeln, kann Leben kosten – und öffentliche Ressourcen über Jahre oder Jahrzehnte binden. Wir müssen deshalb viel genauer wissen, wo Prävention wirkt, wo Lücken bestehen und wo der Kanton früher handeln muss.» Wie gross die Dimension sein kann, zeigt eine Modellrechnung: Allein 15 Jahre Strafvollzug und eine zehnjährige Unterbringung von zwei Kindern in Pflegefamilien können Kosten von über 2,2 Millionen Franken verursachen. Die Kosten für Polizei, Strafuntersuchung, Gerichte, KESB, Therapien sowie Erwerbs- und Steuerausfälle sind darin noch nicht enthalten. Der Kostenvergleich zeigt vielmehr, wie sinnvoll es ist, Ressourcen frühzeitig für Beratung, Schutz, Gefährdungsmanagement, Täterarbeit und Unterstützung von Kindern einzusetzen.

«16 Tage gegen Gewalt» – an Frauen und Männern

«Gleichstellung Aargau» nimmt den Vorstoss auch zum Anlass, sich im Rahmen der «16 Tage gegen Gewalt» klar zu positionieren: Gewalt darf weder gegenüber Frauen noch gegenüber Männern toleriert oder bagatellisiert werden. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass insbesondere schwere Gewalt in Paarbeziehungen eine ausgeprägte Geschlechterdimension hat. Im Aargau waren 2025 69 Prozent der Geschädigten Frauen, und 73 Prozent der registrierten Straftaten im Bereich häuslicher Gewalt ereigneten sich in aktuellen oder ehemaligen Partnerschaften. Für «Gleichstellung Aargau» bedeutet Gleichstellung deshalb auch: Gewalt erkennen, Betroffene schützen, Kinder mitdenken, gewaltausübende Personen frühzeitig erreichen und Eskalationen verhindern.

Aktion vor dem Grossen Rat: Gleichstellung braucht Mitglieder

Vor einer kommenden Grossratssitzung wird «Gleichstellung Aargau» deshalb mit einer kurzen Aktion vor Ort präsent sein. Die Grossrätinnen und Grossräte erhalten dabei nicht nur Informationen zum Thema häusliche Gewalt – sondern auch die Gelegenheit, Mitglied bei «Gleichstellung Aargau» zu werden. «Bei 140 Mitgliedern im Grossen Rat finden wir bestimmt neue Mitglieder und Unterstützende. Und angesichts der aktuellen Herausforderungen braucht es jede und jeden.» halten Sabine Sutter-Suter und Béa Bieber fest. Gleichstellung ist keine Frage von links oder rechts, von Frau oder Mann. Sie betrifft faire Chancen, Schutz vor Diskriminierung und Gewalt sowie die Möglichkeit, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten. Dafür braucht es politische Mehrheiten und Menschen, die bereit sind, sich sichtbar dafür einzusetzen.

Hinschauen. Ansprechen. Handeln.

«Gleichstellung Aargau» fordert den Regierungsrat mit dem neuen Vorstoss auf, nicht nur bestehende Massnahmen aufzulisten, sondern deren Wirkung, Finanzierung und mögliche Lücken transparent darzustellen. Besonders interessieren Früherkennung von Hochrisikofällen, Schutz von Kindern, Schutz von Männern und Frauen, Trennungssituationen, Stalking, Täterarbeit, die Zusammenarbeit mit den Gemeinden sowie die Information der Bevölkerung. Die zentrale Botschaft der Aktion lautet:

Prävention schützt Leben.
Hinschauen statt wegschauen.
Früh helfen, bevor Gewalt eskaliert.
Gegen Gewalt an Frauen und Männern.

Bild: Vorstandsmitglieder Sabine Sutter und Béa Bieber bei der Verteilaktion vor dem Grossen Rat
Foto: zVg